Problempferde und Unarten

Unter Unarten verstehe ich unter anderem das „Weben“ und „Koppen“ – dieses Fehlverhalten ist in vielen Fällen darauf zurück zu führen, dass die Pferde als Fohlen zu früh oder sehr unsanft abgesetzt wurden. Natürlich gibt es da auch noch viele andere Ursachen, jedoch können Sie versuchen diese Unarten unter Kontrolle zu halten oder gar gänzlich weg zu bekommen. Außerdem gibt es noch Tipps beim „Kleben“, „Ausbrechen“ oder „Durchgehen“, „Bocken“, „Steigen“, „Verladen“, „Anbinden“, Führen“ und „Aufsitzen“.

1. Weben
2. Koppen
3. Kleben und Wiehern
4. Ausbrechen und Durchgehen
5. Bocken
6. Steigen
7. Verladen
8. Anbinden
9. Führen
10. Aufsitzen

Weben

Hier hat das Pferd meistens Langeweile. Es braucht Beschäftigung und/oder Gesellschaft. Wenn Sie die finanziellen Möglichkeiten und Platz genug haben, bietet sich ein Beistellpony an – eines, welches direkt in der Box mit stehen darf. Ein älteres Pony mit Erfahrung und Routine, welches die Rangordnung übernehmen kann, wenn Sie nicht anwesend sind – und bei dem es soziale Kontakte gibt. Prima ist auch eine Offenstallhaltung! Tun Sie dem Pferd einen Gefallen und bringen es artgerecht unter. „Kuscheln“ und „Tüddeln“ helfen dem Pferd alleine nicht weiter, denn sehr wahrscheinlich hat es in irgendeiner Form mal ein Trauma erlitten.... manchmal auch, weil es alleine gehalten worden ist.

Haben Sie keine Möglichkeiten, ein Beistellpony mit unter zu bringen oder ein Offenstall ist zu weit weg, dann sollte das Pferd 2 – 3 x am Tag entsprechend Abwechslung haben: Paddock, Tagesweide, Longe, Zirkus-Lektionen, Dressur, Springgymnastik, Bodenarbeit, Spaziergang etc. Haben Sie keine Zeit, dann organisieren Sie sich eine Reitbeteilung, neben dem normalen Beritt, bzw., wenn Sie das Pferd alleine versorgen. Ein Pferd entwickelt Ausgeglichenheit, wenn es vielseitig beschäftigt wird und während Ihrer Abwesenheit auch noch aus einem Fenster gucken kann.

Koppen

Meist auch eine Unart, die durch ein falsches Absetzen entstanden sein könnte. Aber auch Langeweile spielt hier eine Rolle, deshalb sollten Sie sich den Punkt „Weben“ ebenfalls durch lesen. Dann gibt es noch einen Trick, den Sie versuchen können an zu wenden. Verstecken Sie sich im Stall (Nebenbox o. ä.) und warten Sie, bis Ihr Pferd mit dem Koppen anfängt. Werfen Sie dann einen kleinen Softball, zusammen geknüllte Socken oder irgendein Stoffbündel auf das Pferd. Immer dann, wenn es mit dem Koppen beginnt.

Rüsten Sie Ihr „Magazin“ gut, es könnte 3 – 5 Anläufe benötigt werden, bis das Pferd Ursache und Wirkung in Verbindung bringt. Das Pferd koppt, Sie werfen eine Socke, das Pferd verharrt, wird abgelenkt, wird stutzig, kann sich aber auch erschrecken. Deshalb wenden Sie diesen Trick bitte nur an, wenn Sie ein ansonsten ausgeglichenes Pferd haben und nicht eines, welches sofort Panik bekommt. Ansonsten müssen Sie auf ein Paddock aus weichen, damit das „Fluchttier“ weglaufen kann, wenn es beworfen wird.

Hat es diesen Zusammenhang begriffen, dann wird es das Koppen vermeiden, denn es weiß ja nun, dass dann irgendwas Doofes passiert. Auf gar keinen Fall wenden Sie Gewalt an – das könnte ein Koppen verstärken, denn es gibt auch Pferde die mit dem Koppen Stress abbauen. Hierbei sollten Sie sich hinter fragen, ob das Pferd überfordert ist oder ob die Rangordnung nicht geklärt wurde, das Pferd stets auf sich alleine gestellt ist? Wie gesagt, es ist nur ein Trick, aber auch ein Versuch wert.

Kleben und Wiehern

Ihr Pferd klebt an anderen Pferden und wiehert immer nach seinen Kollegen? In der Gruppe ist es aber artig? Da heißt es dann, man muss sich durch setzen, aber das nützt eigentlich auch nicht viel. Zuerst muss sich das Pferd auf Sie konzentrieren – siehe auch „Anbinden“ und „Führen“. Bei entsprechender Bodenarbeit können Sie die Rangordnung erobern. Das Pferd muss Sie als Chef sehen und auf Sie fixiert sein, dann folgt der zweite Schritt: unternehmen Sie am Halfter oder der Trense kleinere Ausflüge.

Üben Sie dabei täglich und jeden Tag etwas mehr. Fordern Sie nicht zuviel und wagen am Anfang nur wenige 100 Meter. Steigern Sie die Strecke nur allmählich. Wichtig ist dabei, dass Sie das Pferd nach dem Ausflug sofort in die gewohnte Umgebung zurück bringen (Stall oder Weide), damit es erkennt, dass bei so einem Spaziergang a) nichts passiert, denn Sie als Chef sind ja bei ihm und b) es ja immer wieder nach Hause kommt. Sitzt diese Lektion, können Sie es dann schon bald unter dem Sattel ausprobieren und fangen dabei auch erst mit kleineren Strecken an.

Ausbrechen und Durchgehen

Das Pferd will nicht weiter, kehrt plötzlich um und droht ein Steigen an oder dreht durch und rennt mit Ihnen durch den Wald? Beide Situationen sind mehr als gefährlich. Ein Ausbrechen kann man korrigieren, ein Verhindern des Durchgehens kann trainiert, aber nicht zu 100 % behoben werden – denn wir sitzen da auf Fluchttieren und diese nehmen mehr wahr, als wir mit bekommen. Selbst bei einem 100 Jahre alten Kutschpferd ist der Instinkt der Flucht bei Gefahr noch vorhanden, deshalb können wir uns nie darauf verlassen, dass „Max“ den ihm 1000fach bekannten Weg auch 1000fach souverän absolviert.

Will ein Pferd „ausbüxen“ dreht sich abrupt um und droht ein Steigen an, während Sie das Pferd am Zügel in die richtige (Ihre!) Richtung bewegen wollen, so dürfen Sie das Pferd natürlich nicht gewähren lassen! Aber eine Diskussion auf der Strasse, im Wald, im Reitbetrieb oder sonst wo, ist ja nun nicht ganz so harmlos (es sei denn, Sie kennen Ihr Pferd...). Hier wird auch wieder auf dem Hof geübt – zuerst an der Hand (siehe auch „Kleben und Wiehern“), nachdem Sie sich durch Bodenarbeit die Basis Ihrem Pferd gegenüber erarbeitet haben. Also Sie sind Chef! Sitzt die Lektion, dann reiten Sie mit dem Pferd um den Hof (oder da, wo Sie sich im Fall der Fälle wohlfühlen oder sicher fühlen und nebenbei: nie den Helm vergessen – auch wenn Sie eitel sind!). Solange, bis es eine Situation des Verweigerns sich einstellt.

Bringen Sie das Pferd dann sofort zum Stehen und lassen Sie es stehen und zwar solange, bis das Pferd Langeweile hat. Wenn es sich rührt, weil ihm das Herumstehen zu dumm ist, dann korrigieren Sie das Pferd. Das Pferd hat jetzt keinen anderen Auftrag, als stehen zu bleiben. Das kann es, wenn es will, auch stundenlang auf der Weide. Sie richten also keinen Schaden an. Wenn IHNEN nun langweilig sein sollte, dann dürfen Sie das Pferd wieder in IHRE Richtung bewegen. Will das Pferd wieder umdrehen, dann stellen Sie es wieder hin. Das Pferd kann nun in Ruhe darüber nach denken, was es da nun soll. Sie verlieren dabei bitte nicht die Geduld. Das Prozedere muss einmal in aller Ruhe durch geführt werden, dann haben Sie auch keinen Ärger mehr.

Wenn Sie denken, Sie können einen weiteren Versuch starten, dann bewegen Sie das Pferd abermals in Ihre gewünschte Richtung. Das Pferd kann sich jetzt überlegen mit zu machen oder – es hat nun gelernt – wieder eine halbe Stunde herum stehen und dumm in die Gegend schauen. Es wird Ihnen dann folgen. Das machen Sie so oft, bis das Pferd begriffen hat, dass es besser artig ist, denn sonst ist Straf-Stehen angesagt!

Beim Durchgehen müssen Sie anders zu Werke gehen. Natürlich muss hier die Bodenarbeit sitzen, Sie sind Chef und das Pferd lässt sich gelassen überall hinführen (siehe auch vorangegangene Lektionen/Punkte). Dann üben Sie mit Akustik und Optik. Das heißt, das Pferd muss an der Hand verschiedenen Reizen ausgesetzt sein. Die flatternde Plane, die Schaufel, die umkippt, der Trecker der anspringt, Geräusche, deren Ursprung es nicht wahr nehmen kann – hören ja, sehen nein. Üben Sie da einfach in Richtung Gelassenheitsprüfung (GHP) mehr auch unter: http://www.cavallo.de/ Rechts oben im Menü. Sie müssen das Pferd sicher und selbstbewusst machen. Das geht leider nicht so schnell, aber der Aufwand lohnt sich.

Bocken

Hier muss zuerst geklärt werden, ob das Pferd auch gesund ist, dann wird der richtige Sitz des Sattels überprüft, um solche Ursachen aus zu schließen. Es nützt ja nichts, wenn Sie alles richtig machen, aber das Pferd hat Probleme mit dem Rücken oder der Sattel zwickt. Die Frage ist dann ja auch, wann bockt das Pferd? Manchmal bringt das Pferd eine bestimmte Situation mit Bocken in Zusammenhang.

Vielleicht hat es mal gebockt, als ein Trecker vorbeifuhr, der Reiter fiel herunter und der Trecker war weg? In diesem Fall hätte das Pferd gelernt, dass das Ungetüm verschwindet, wenn man nur ordentlich bockt. Es kann natürlich auch etwas viel subtileres sein. Eine Katze ist vorbei gehuscht, ein Wasserstrahl hat es getroffen oder es hat sich vor einer bestimmten Art von Schatten erschrocken. Das müssen Sie nun heraus finden und dann wieder – wie bei den anderen Punkten schon besprochen – über Bodenarbeit das Pferd gelassen und sicher machen, um dann die Übungen im Sattel fort zu setzen. Hierbei liegt dann der Schwerpunkt darin, die Situation her zu stellen, bei der das Pferd unartig ist, um ihm klar zu machen, dass es nichts zu befürchten hat, wenn der Reiter neben oder auf dem Pferd ist.

Ist das Pferd frech und probt mit dem Bocken den Aufstand, steht fest, Sie sind in der Rangordnung unter dem Pferd oder haben in der Ausbildung etwas falsch gemacht. Beginnen Sie deshalb noch einmal von vorne. Es wird in der ersten Zeit nicht geritten, sondern es gibt Bodenarbeit mit Doppel-Longe, Seitwärtsgänge usw. – alles ohne Sattel. Wenn Sie Ihr Pferd vom Boden aus an den Zügel stellen und bewegen können, dann legen Sie irgendwann eine Sattel-Decke auf, nehmen Sie sie wieder herunter, das wiederholen Sie mehrfach und jeden Tag aufs Neue.

Dann wird die Satteldecke mit einem Gurt befestigt und das Pferd wird geführt, danach longiert und es gibt wieder Seitengänge. Bitte täglich nur eine Steigerung, besser alle 2 – 3 Tage oder noch länger. Dann kommt der Sattel mit dem gleichen Vorgang, dann Reitergewicht, dann mit Reiter im Schritt, dann mit Reiter im Trab und zum Schluss im Galopp. Jede einzelne Übung darf erst gesteigert werden, wenn die vorherige artig überstanden und mehrfach wiederholt wurde. So bekommt das Pferd und auch Sie Sicherheit.

Steigen

Vorerst sollten Sie wie unter „Bocken“ vorgehen. Wenn aber alles nichts nützt, dann verrate ich Ihnen einen Trick: präparieren Sie die Trense oben am Genick mit einer Heftzwecke, so dass die Spitze natürlich nach oben vom Pferd weg zeigt. Leichtes anbringen mit Klebeband reicht da schon. Bewaffnen Sie sich oder eine sattelfeste Person mit wassergefüllten Luftballons. Sie sollten etwas mehr als Handgröße haben. 

Das Pferd wird mit einer Hand geritten, so gut es geht und man wartet den Zeitpunkt des Steigens ab. Just in diesem Moment wird der mit wassergefüllte Luftballon an der Heftzwecke zum Platzen gebracht, das Wasser kann sich so über den Pferdekopf ergießen. Das Pferd verharrt, denn es weiß ja nicht, woher der Wassersegen plötzlich herkommt. Eventuell wiederholen Sie den Vorgang, wenn das Pferd nochmals Steigen sollte. Das Pferd verbindet jetzt eine unangenehme Sache mit dem Steigen und Ursache und Wirkung kommen zum Tragen. Ursache: Pferd steigt – Wirkung: Kopf wird nass und es sollte dann mit dem Steigen aufhören.

Trotzdem sollten Sie sich darauf gefasst machen, dass das Pferd vielleicht durch gehen könnte. Erlebt habe ich so was zwar noch nicht, weil es mit der ersten Ursache-Wirkung beschäftigt ist, aber eine Garantie ist es nicht. Deshalb nie ohne Helm reiten, in diesem Fall auch mit Weste, Sie sollten alleine und in einer geschlossenen Halle sein und besser es befindet sich noch an der Longe und eine Aufsichtsperson sollte anwesend sein. Alles auf eigene Gefahr.

Verladen

Wenn Sie, wie bereits bei mehreren Punkten erwähnt, tüchtig Bodenarbeit durch geführt haben, dann sollte es auch mit dem Verladen klappen. Ohne Bodenarbeit werden Sie es schwer haben. Natürlich können Sie Ihr Pferd auch mit dem Besen auf den Anhänger jagen, es mit zwei Longen elegant bis zur Rampe einschnüren oder den Kopf (die Augen) mit einem Handtuch verdecken, um es so – hoffentlich – wie ein Lamm zur Schlachtbank zu führen.

Eine langfristige und für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung ist das nicht. Pferde haben von Natur aus Angst vor Höhlen, denn da lauert immer der Säbelzahntiger. Deshalb muss man es mutig und selbstbewusst machen. Außerdem müssen Sie selbst der Chef im Duett sein, damit das Pferd Ihnen überall hin folgt. Vertrauen muss gegeben sein, so dass das Pferd gerne auf den Anhänger marschiert. Es ist möglich, dass Ihr Pferd auch eine negative Erfahrung mit dem Fahren verbindet, so dass Sie es generell schwer haben Ihr Pferd zu überzeugen, aber auch hier habe ich für Sie einen wertvollen Tipp, einen Tipp den alle anwenden können, wenn es Schwierigkeiten gibt. Bitte befolgen Sie unten stehende Vorgehensweise:

  1. Pferd durch am Boden liegende Stangen führen. Erst nur Vorwärts, dann mal zwischen den Stangen stehen lassen, dann Rückwärts. Das üben Sie solange, bis es wie am Schnürchen klappt.
  2. Danach erhöhen Sie die Stangen auf Cavalettis und wiederholen Punkt 1.
  3. Dann wird auf zwei Cavalettis erhöht und nach Punkt 1 durch geführt.
  4. Nach zwei Cavalettis erhöhen Sie auf drei und führen die Übung nach Punkt 1 durch.
  5. Jetzt nehmen Sie wieder zwei Cavalettis, machen aber die Seiten mit Pferdedecken o. ä. dicht. Wie Übung 1 verfahren.
  6. Jetzt wieder drei Cavalettis, diese werden abgehängt und nach Übung 1 trainiert.
  7. Wie Übung 6, nur dass Sie vor den Cavalettis ein kleines Tuch legen, welches Sie später durch ein größeres austauschen sollen. Das symbolisiert die Rampe.
  8. Wie Übung 6, aber die andere Seite der  Cavalettis so nach und nach dicht machen (weitere Cavalettis, erst eines, dann zwei, diese dann abhängen, dann ein drittes und das dann später dicht machen):
  9. Jetzt besorgen Sie sich einen Planenanhänger. Hierbei nehmen Sie die Plane ab, so dass das Pferde nach oben Luft hat und heraus schauen kann. Das Pferd kennt diese Situation nun schon von den Cavalettis und dürfte nicht weiter problematisch sein. Nehmen Sie das Pferd wieder vom Anhänger.
  10. Legen Sie die Plane oben locker auf die Tragstangen, so dass weiterhin viel Licht herein kommt. Führen Sie das Pferd wieder herein. Erst so nach und nach lassen Sie die Plane herunter. Eventuell das Pferd bei jedem Schritt des Plane herunter lassens, wieder vom Anhänger nehmen.

Sie sollten sich bei diesem Training Zeit lassen und nicht ungeduldig werden. Diese gesamte Übung kann ein paar Tage in Anspruch nehmen. Damit Ihr Pferd auch weiterhin artig auf den Anhänger geht, sollten Sie es während der Fahrt wie ein rohes Ei behandeln, welches kaputt geht, wenn man zu hastig und ohne Übersicht fährt. Pferde brauchen Gewissheit, dass auf dem Anhänger nichts schlimmes passieren kann.

Anbinden

Ihr Pferd schmeißt sich zurück oder zappelt ab? Versuchen Sie es doch einmal ohne Anbinder – ganz einfach so in der Stallgasse. Das hat viele Vorteile, gerade wenn man unterwegs ist (Turnier, Ausritt, Halle: wenn man was vergessen hat). Das ist nämlich auch die Vorstufe des "Parkens". Ist nämlich eine dolle Sache, wenn man das Pferd überall stehen lassen kann. Wenn das funktioniert, dann haben Sie auch keinen Ärger mehr mit dem Anbinden. Ich erkläre Ihnen wie es geht:

Sie stellen das Pferd wie gewohnt in die Stallgasse, binden es nicht an, ziehen einmal energisch am Halfter und sagen „Steh!“. Nun putzen Sie Ihr Pferd. Wenn es sich bewegt, egal wohin und wie weit, dann korrigieren Sie das Pferd. Richten Sie es rückwärts, bis es wieder an der alten Stelle steht, rucken am Halfter und sagen „Steh!“ Nach einigen Tagen begreift Ihr Pferd was Sie von ihm wollen, wenn Sie es immer wieder korrigieren und Sie können es dann ganz gelassen putzen. Das Pferd hat eine klare Anweisung erhalten, das gibt Vertrauen und es erkennt Sie als Chef an.

Die Übung erweitern Sie, indem Sie sich immer mehr vom Pferd entfernen. Egal wo Sie sind, die Anweisung heißt „Steh!“ und das Pferd hat zu stehen. Will es Ihnen hinter her laufen oder macht sich selbständig, dann korrigieren Sie es wieder. Rückwärtsrichten und Kommando „Steh!“ Schon bald können Sie in die Sattelkammer gehen und Ihre Sachen holen und das Pferd steht da, wo Sie es abgestellt haben. Sitz die Übung 100 %, dann geht es ab in die Halle.

Lassen Sie es stehen, geben das Kommando „Steh!“ und entfernen sich vom Pferd. Läuft es Ihnen hinter her, dann wie üblich korrigieren. Aber meistens haben die Pferde den Bogen schnell heraus. Später ziehen Sie dann auf den Außenplatz, dann irgendwo auf den Hof und erst viel später versuchen Sie es in der Nähe von Weidefläche – hier wird es schwierig, denn Pferde sind Dauerfresser. Aber wenn Sie hartnäckig dran bleiben, sollte das klappen.

Übrigens können Sie es auch zu sich rufen, aber das ist jetzt eine andere Baustelle. Wichtig ist jetzt, dass Sie mit dieser Übung das Schreckgespenst des Anbindens vertrieben haben.

Führen

Tja, nicht einmal das klappt bei vielen Reitern, weil das Pferd mit seiner Umgebung beschäftigt ist und seinen Führer vergisst. Optimal ist es, wenn Sie das Pferd entspannt am durch hängenden Strick dirigieren können. Um da hin zu kommen, lesen Sie bitte die Anweisung unter „Anbinden“. Das ist die Basis. Dann führen Sie das Pferd herum und achten dabei darauf, dass das Pferd auf Sie achtet und Ihr Tempo hält. Bleiben Sie abrupt stehen. Läuft das Pferd weiter, dann korrigieren Sie es: zupfen am Halfter oder Strick, richten Sie es Rückwärts und geben das Kommando „bei mir!“

Das üben Sie alle paar Hundert Meter und legen Sie es dabei darauf an, dass das Pferd Fehler macht (ist mit anderen Dingen beschäftigt und vergisst Sie dabei), um es zu korrigieren. Das sollten Sie auch jeden Tag machen. Das Pferd muss die ganze Zeit auf Sie konzentriert sein, denn Sie sind der Chef und Sie wissen wo Gefahr lauert. Das Pferd kann sich auf Sie verlassen, weil Sie es rechtzeitig warnen, wenn ein böser Bär um die Ecke kommt.

Aufsitzen

Wie beim „Anbinden“ und „Führen“ verfahren. Das Pferd korrigieren, wenn es nicht stehen bleibt. Haben Sie aber vorangehende Übungen schon durch geführt, dann werden Sie auch diesen Vorgang hin bekommen. Das Pferd hat zu stehen, wenn Sie es wollen. Hierbei darf man auch nicht zimperlich sein, denn Pferde in der Natur sind es auch nicht. Sicherlich haben Sie schon einmal beobachtet, wie Pferde auf einander los gehen und wie sie diese Schläge und Beißattacken weg stecken!?

Haben Sie aber ein wirklich schwieriges Pferd, dann nehmen Sie sich eine zweite Person, die dann auf Ihr Pferd aufsteigt, während Sie am Boden der Kommandogeber sind. Sie wissen ja: „Steh!“ ist dabei, wenn man es richtig geübt hat, das Zauberwort. Eine Aufstiegshilfe ist natürlich auch erlaubt. Wichtig ist, dass das Pferd das Kommando bedingungslos akzeptiert, so dass Sie dann später überall aufsteigen können. In jedem Gelände und von jeder Erhöhung (Bank, Mauervorsprung, Cavaletti etc.) aus.